Verdienter Ruhestand

Lioba

Im Altenheim St. Josefshaus beendete die Ordensschwester und Seelsorgerin Sr. M. Lioba ihren Dienst. Im Alter von 72 Jahren übergab sie die Seelsorge in die Hände ihrer Mitschwester Sr. M. Emilie, die von den Vorgesetzten dafür ernannt wurde.

Im Gespräch erzählt Sr. M. Lioba von ihrem Weg im St. Josefshaus Rheine, der 1990 begann.

Frage: Sr. Lioba, wie kam es, dass Ihr Weg 1990 wieder nach Rheine führte, nachdem Sie in den 50er Jahren bereits im Kinderheim in Bentlage waren?

Sr. Lioba: In Bentlage im Kinderheim war ich vor meinem Ordenseintritt 3 Jahre tätig.
1957 wurde ich als Ordensschwester nach Bad Kreuznach versetzt um die Krankenpflege zu erlernen. Dort war ich 31 Jahre tätig, davon 25 Jahre im Operationssaal.
1988 erhielt ich eine Versetzung durch unsere Provinzoberin mit der Bitte, die Leitung unseres Altenheimes in Rheine zu übernehmen.
Im Gehorsam habe ich diese Aufgabe angenommen mit der Bitte, vorher die Fach-Altenpflege dazulernen zu dürfen. Ansonsten wäre es für mich kaum möglich, der Aufgabe gerecht zu werden.
Also begann ich mit 50 Jahren die Ausbildung in München. Nach einem weiteren Praktikum kam ich 1990 nach Rheine. Berufsbegleitend belegte ich einen Heimleiterlehrgang.

Frage: Wie erinnern Sie sich an den Start im St. Josefshaus?

Sr. Lioba: Oh, da kam viel auf mich zu. Damals waren noch 120 ältere Menschen im Heim. Viele Mitarbeiter musste ich kennen lernen, auch Ordensschwestern waren noch in der Pflege tätig. Hier möchte ich meinen Mitschwestern, besonders im Büro danken für ihre tatkräftige Unterstützung.
Es galt viele Neuerungen, die durch immer neue Anforderungen in der Weiterentwicklung entstanden, einzubringen, so auch eine neue Pflege-Dokumentation umzusetzen: Weiterbildung mit Qualifizierung von Mitarbeitern, neue Mitarbeiter, vor allem Fachkräfte kamen hinzu, ein Sozialer Dienst wurde aufgebaut. Gleichzeitig begannen wir mit der Planung eines großen Umbaus der Einrichtung.

Frage: Fast 20 Jahre haben Sie in unterschiedlichen Positionen im St. Josefshaus gearbeitet. Können Sie kurz zusammenfassen, was Sie als die positivsten Aspekte dieser doch schweren Arbeit ansehen?

Sr. Lioba: Das kann ich vor allem mit dem Wort: „Beziehung“, sagen, die aus der Beziehung zu Gott erwächst. Ein gutes Miteinander in allen Bereichen.
Wenn es gelingt echte Beziehung zu älteren Menschen aufzubauen, so ist das immer ein „Geben und Nehmen“. Wenn zum Beispiel ein kranker Mensch sich nicht mehr äußern kann, dann sind es oft strahlende Augen, ein Lächeln, ein Händedruck…Ich war in meinem Beruf sehr glücklich, wenn es uns im Team gelang den Bewohner/innen das Gefühl der Geborgenheit zu vermitteln. Geborgensein, sich angenommen wissen, das ist für jeden Menschen sehr wichtig, gerade im hohen Alter.

Frage: Nun hat es in den vielen Jahren sicher auch schwere Tage gegeben.

Sr. Lioba: Das ist sicher. Zum Leben gehört das Leid, so wie die Freude. In einem Altenheim kann das nicht anders sein. Hier ist es oft viel geballter und erschwert den Alltag sehr.
Für mich persönlich, zusammen mit meinen Vorgesetzten, unser geliebtes St. Josefshaus nach 50 Jahren in die Hände des Deutschen Ordens zu geben, war sehr schwer. Es war dennoch notwendig, denn unsere Ordensgemeinschaft war zu klein um das Altenheim langfristig zu tragen. Die Entscheidung hat die ganze Ordensgemeinschaft getragen, den Anstoß musste ich als Heimleiterin geben.

Frage: Sie sind im St. Josefshaus einen ungewöhnlichen Weg gegangen.
Nachdem das Haus 1996 an den Deutschen Orden übergeben wurde, wechselten Sie von der Heimleitung zur Pflegedienstleitung und vor 12 Jahren dann in die Seelsorge.

Sr. Lioba: Von außen sieht es nach einem beruflichen Abstieg aus. Der umgekehrte Weg einer Karriere sozusagen. Für mich ist es rückblickend ein guter Weg gewesen, der mich viel näher zu den älteren Menschen geführt hat. Leitungsaufgaben sind mit viel organisieren, planen und Schreibtischarbeit verbunden,
.
Als Seelsorgerin war ich davon weitgehend befreit, konnte ganz nah bei unseren Bewohner/innen sein: In Einzelgesprächen, Krankenbesuchen, im mitfeiern von Gottesdiensten, Hilfestellung bei Empfang der Sakramente, Andachten und auch im Besonderen, den Sterbenden begleiten, den Menschen als eine Einheit von Seele und Leib zu sehen, von Gott geliebt.

Frage: Seelsorge im Altenheim, warum ist das wichtig?

Sr. Lioba: Im Alter halten viele Menschen Rückschau, setzen sich mit dem eigenen Leben auseinander, Ängste treten häufig auf. Seelsorge bietet die große Chance, den Glauben zu leben wie z. B. in Gebeten u. Gottesdiensten. Das Gespräch bietet die Chance über ganz persönliche Fragen des Lebens und des Glaubens zu sprechen. Hier war mir die Unterstützung durch katholische und evangelische Seelsorger eine große Hilfe.

Frage: Was ist mit den vielen altersverwirrten Bewohnern?

Sr. Lioba: Gerade da ist Raum für Seelsorge. Das gemeinsame Gebet von früher, ein Lied oder auch nur eine Hand die hält, eine Umarmung, ein Lächeln…. Glaube ist viel mehr als unser Verstand erfassen kann.

Frage: Und nun der Ruhestand mit 72 Jahren. Worauf freuen Sie sich besonders?

Sr. Lioba: Als Ordensfrau bleiben Gebet und Gottesdienste Mittelpunkt meines Lebens, mehr Zeit auch dafür, auch möchte ich meine Mitschwestern ein wenig in der Gemeinschaft unterstützen. Da ich gern Karten sticke, hoffe ich, auch ein wenig mehr Zeit dafür zu haben.

Frage: Gibt es einen Wunsch für das St. Josefshaus?

Sr. Lioba: Bevor ich dazu etwas sage, möchte ich die Gelegenheit nützen, all den Menschen zu danken, die mich durch all die Jahre begleitet haben. Allein kann niemand etwas schaffen. Ich glaube fest daran, dass Gott mir immer diese guten Menschen zur Seite gestellt hat.
Unserem St. Josefshaus wünsche ich, dass in ihm die christlichen Werte weiterhin erhalten und gelebt werden, dann wird der Segen Gottes auf ihm ruhen und Gottes Liebe wird erfahrbar sein.

Sr. Lioba, herzlichen Dank für das Gespräch und Alles Gute und Gottes Segen für Sie.

Zusatz: Am kommenden Mittwoch, den 12.08. findet um 10.30 Uhr ein Dankgottesdienst zur Verabschiedung von Sr. Lioba in der Kapelle des St. Josefshauses statt.
Dazu sind auch Angehörige und weitere Gäste herzlich willkommen.