Münsterländische Volkszeitung, Lokales, 17. Oktober 2007
„Junge Pflege“ im Altenheim St. Josefshaus

jungePflege

Rheine. Junge Erwachsene als Bewohner im Altenheim? Ja, in das Altenheim St. Josefshaus ziehen ab sofort auch Erwachsene ab dem 40. Lebensjahr ein. Der Anlass ist gleichermaßen aktuell wie traurig: „Wir haben seit einiger Zeit immer häufiger Anfragen, ob wir pflegebedürftige jüngere Menschen aufnehmen können“, sagte Heinz Samberg, Direktor des Josefshauses gestern in einem Pressegespräch. Seine Einrichtung reagierte auf die neue Entwicklung mit dem Angebot „Junge Pflege“. In dem separaten Wohnblock entlang der Ludwig-Dürr-Straße werden 17 Wohnheimplätze für Erwachsene bis 65 Jahren, die stationär gepflegt werden müssen, eingerichtet.

Es sind Erkrankungen wie Chorea Huntington oder Multiple Sklerose, die häufig auch Erwachsene ab 40 Jahren betreffen. Da nicht immer die Möglichkeit der Pflege im Familienverbund gegeben ist und der Trend zum Singlehaushalt weiter anhält, ist ein Pflegeangebot für diesen Personenkreis notwendig. Sowohl die Stadt Rheine als auch der Kreis Steinfurt begrüßten gestern in dem Pressegespräch die Initiative des Josefshauses. Es ist im Kreis Steinfurt bislang die erste Einrichtung der Altenhilfe, die künftig auch jüngere Erwachsene aufnehmen wird. Schon jetzt leben im Josefshaus zwei Bewohner zwischen 40 und 50 Jahren, die an Chorea Huntington erkrankt sind.

„Die Senioren kümmern sich ganz rührend um die beiden. Aber weil die Interessenlagen von jüngeren Erwachsenen ganz anders sind als von Senioren, benötigen wir einen eigenständigen Bereich für diese Menschen“, sagte gestern Jutta Herking, im Josefshaus für die Pflegedienstleitung zuständig.

In dem Gebäudetrakt entlang der Ludwig-Dürr-Straße entsteht ein eigener Eingangsbereich für Erwachsene bis zu 65 Jahren. Im kommenden Jahr soll der zweigeschossige Trakt umgebaut und um einen Speise- und Aufenthaltsbereich erweitert werden. Hinzu kommt ein Ruhebereich. Etwa 250 000 Euro will das Josefshaus im kommenden Jahr in die Maßnahme investieren.

Es sollen 15 Einzelzimmer und ein Doppelzimmer mit eigenem Bad entstehen. Ferner gibt es eine Gemeinschaftsküche, einen Gemeinschaftswohnraum und einen Entspannungsraum.

Die Mitarbeiter, die sich um die jüngeren Bewohner kümmern, stammen aus dem Team des Altenheims und werden unter Umständen bei voller Belegung durch neu einzustellende Mitarbeiter ergänzt. Eine Schulung der Mitarbeiter des Josefshauses für die „Junge Pflege“ ist bereits angelaufen und wird kontinuierlich ausgebaut. „Die neuen Bewohner können noch viel mehr in den Alltag einbezogen werden als die Senioren“, sagte gestern Sozialarbeiter Reinhold Jeusfeld. Vor allem sei intensive Zuwendung und Betreuung erforderlich.

Von den 99 Plätzen im Josefshaus sollen 17 Plätze für die „Junge Pflege“ umgewidmet werden. „Wir haben ab sofort die Möglichkeit der Aufnahme“, sagte Heinz Samberg weiter. Die Nachfrage sei sehr groß. Im Moment gibt es im Münsterland eine ähnliche Einrichtung in Münster-Wolbeck. Dort existiert bereits eine lange Warteliste. „Wir werden nicht sehr viel Zeit benötigen, um diese Spezialabteilung zu belegen“, ergänzt der Direktor des Josefshauses.